GASTBEITRAG – Pille: Errungenschaft des Feminismus oder Unterdrückung der Weiblichkeit?

Lange wurde die Einführung der Anti-Baby-Pille gefeiert als Zeichen der Unabhängigkeit und Selbstbestimmung der Frau. Endlich war das „schwache Geschlecht“ nicht mehr „gezwungen“, sich vorwiegend der Fortpflanzung zu widmen, sondern konnte eigenständig über ihre Fruchtbarkeit und ihren Körper entscheiden. Doch ist die Pille wirklich so ein Segen? Oder bewirkt sie ungewollt eigentlich das Gegenteil, nämlich die Unterdrückung des weiblichen Wesens und der Lebensfreude?

Was sich wie eine gewagte These anhört, habe ich am eigenen Leib erfahren. Davon will ich heute erzählen.

10 Jahre Pille – was das mit mir machte

Als ich 15 war, hatte ich meine erste lange Beziehung – und das erste Mal Sex. Schnell war mir das verhüten mit Kondom lästig und wie viele meiner Freundinnen ließ ich mir vom Gynäkologen die Pille verschreiben. Dieser sah das völlig unproblematisch, genau wie ich. Meine Mama warnte mich vor der Einnahme. Warum genau erklärte sie nicht und in dem Alter hätte ich wohl ohnehin schwerlich auf sie gehört.

Sieben Jahre später trennte ich mich von meinem Freund – und nahm trotzdem weiter die Pille. Schließlich will ich ja nicht schwanger werden, falls ich mal wieder jemanden kennen lerne. Ich dachte nicht darüber nach, ob es irgendwelche negativen Auswirkungen haben könnte.

Dann wurde ich krank. Irgendwas mit Lebensmitteln, wie ich in einem zähen Prozess aus Experimenten und Arztbesuchen herausfand. Histaminintoleranz, wie sich nochmal zwei Jahre später herausstellte. Hormonbedingt, wie ich weitere fünf Jahre später in meiner ersten Schwangerschaft herausfand.

Ob das mit Einnahme der Pille zu tun hat? Das kann niemand genau sagen, auszuschließen ist es allerdings nicht. Fest steht für mich, dass die Hormone der Pille einen gravierenden Eingriff in den weiblichen Hormonhaushalt darstellt, der nicht nur unsere Gesundheit, sondern auch und vor allem unser Wesen beeinflusst. Dazu gleich mehr.

Die Pille absetzen – auch ohne Kinderwunsch

Zwei Jahre nach der Trennung war ich wieder in einer festen Beziehung. Und nahm die Pille. Doch allmählich, mit Anfang 20, begann ich nachzudenken. Ausschlaggebend, die Pille tatsächlich abzusetzen, war schließlich eine verrückte Erkenntnis der Wissenschaft: Die Pille verändert die Art, wie wir Frauen riechen und damit auch, ob wir unseren Partner sprichwörtlich „riechen können“. Damit könne es vorkommen, so weiter, dass eine Frau die Pille absetzt, weil sie mit ihrem Partner Kinder bekommen möchte und ihn dann aus für sie unerklärlichen Gründen plötzlich nicht mehr attraktiv findet. Das, so die Begründung, könne an der veränderten Geruchswahrnehmung liegen.

Ich liebte meinen neuen Freund unendlich und wollte eines Tages mit ihm eine Familie gründen, so viel stand fest. Um auszuschließen, dass uns so etwas passierte, beschlossen wir gemein, die Pille abzusetzen. Stattdessen wollte ich ab sofort auf natürliche Verhütung setzen.

Das Leben ohne künstliche Hormone

Ich erinnere mich noch lebhaft an den Morgen, an dem ich zum ersten Mal seit vielen Jahren meine echte Periode bekam. Ich war überglücklich und lief mit Tränen in den Augen zu meinem Freund, der übrigens heute mein Ehemann und Vater meiner Kinder ist. „Ich bin eine richtige Frau,“ schluchzte ich und umarmte ihn.

Das sollte nicht der letzte unerwartete Gefühlsausbruch gewesen sein. Ich fühle mich seit Absetzen der Pille emotional völlig verändert. Viel unausgeglichener. Es gibt viel tiefere Tiefs innerhalb eines Zyklus, aber auch so viel höhere Hochs. Es ist einfach wundervoll, das Leben hat irgendwie mehr Facetten für mich gewonnen. Mehr Farbe. Mehr Freude. Einfach mehr Leben.

Und zwar in allen Bereichen. Wo ich die Veränderung am meisten bemerkt habe, war tatsächlich die Sexualität. Wenn ich bisher mit meinem Partner intim wurde, dann hauptsächlich, weil ich die Nähe zu ihm genoss. Nun aber kam ein ganz anderes Ausmaß weiblicher Lust hinzu – zumindest an einigen Tagen im Zyklus. Auch hier ist es wie mit der Laune allgemein: Der Ausschlag an Hoch- und Tiefphasen ist viel höher als vorher. An manchen Tagen möchte ich von Sex nichts wissen, an anderen kann ich nicht genug bekommen von meinem Partner.

Was die Pille im Körper macht

Vielleicht fragst Du Dich jetzt, ob das alles Einbildung ist? Tatsächlich ist dieser Effekt sehr einfach erklärt. Der weibliche Zyklus hat verschiedene Phasen, die mit verschiedenen Hormonlagen einher gehen. Während der fruchtbaren Tage ist es biologisch vorgesehen, dass wir uns attraktiv, unternehmungslustig, kommunikativ fühlen und Lust auf Sex haben. Nachweislich wirken wir in diesen Tagen auch auf das andere Geschlecht anziehender, verändern uns äußerlich ganz subtil.

Wenn der Eisprung vorüber ist und eine Schwangerschaft eintreten könnte, stehen die Zeichen auf Rückzug und Nestbau. Dann will ich kuscheln, Filme schauen oder einfach in Ruhe ein Bad nehmen.

Was ist nun, wenn wir die Pille nehmen? Die Pille hält den weiblichen Körper künstlich in immer derselben Zykluslage – nämlich der Phase nach dem Eisprung. Dem Körper wird also permanent vorgegaukelt, potientiell schwanger zu sein. Ein neuer Eisprung wird in dieser Phase unterdrückt, das Hoch der fruchtbaren Tage auf unbestimmte Zeit verschoben.

Ich selbst erlebte dieses Hoch zum ersten Mal im Leben mit 25 Jahren. Rückblickend würde ich mir wünschen, nicht die ersten 10 Jahre darauf verzichtet zu haben. Nicht nur meine Gesundheit, auch der Rest meines Lebens ist seitdem so viel facettenreicher, aufregender und bereichernder geworden.

Wer also behauptet, die Pille sei ein Segen für die Selbstbestimmung der Frau, der sollte mal genauer hinsehen. Denn tatsächlich, so sehe ich das, handelt es sich um die Gleichschaltung der Weiblichkeit. Wir werden berechenbarer, heimeliger und dem Klischee gerecht, Männer hätten mehr Lust auf Sex als Frauen.

Natürlich sollte trotzdem jede Frau selbst entscheiden dürfen, ob sie die Pille möchte oder nicht. Aber ich finde, dass die Folgen klarer dargestellt werden müssten.

Gastbeitrag von Johanna

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